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Allan Kaprow in »18 Happenings in 6 Parts«
in der Reuben Gallery New York 1959

Allan Kaprow
Calling-1962-centralstation

Allan Kaprow
»18 Happenings in 6 Parts«
»Kaprow stellte bei diesem wegweisenden Happening, das er im Herbst 1959 in der Reuben Gallery in New York vorstellte, eine Synthese zwischen seiner Ausbildung in Action Painting und seinem Studium von Cages Partituren und Performances her. Ausgehend von einer sorgfältig konzipierten und akribisch geschriebenen Partitur, erschuf er ein interaktives Umfeld, das das Publikum in einem Maße manipulierte, das so gut wie beispiellos war in der Kunst des 20.Jahrhunderts. Das Publikum bekam Programme und drei geheftete Karten, auf denen es Instruktionen für seine Beteiligung an dem Happening bekam: »Die Performance ist in sechs Teile unterteilt... Jeder Teil besteht aus drei Happenings, die gleichzeitig stattfinden. Ein Glockenschlag wird den Anfang und das Ende eines jeden Teils signalisieren. Am Ende der Performance werden zwei Glockenschläge ertönen... Nach jedem Teilstück sollte kein Applaus gespendet werden, aber Sie können nach dem sechsten Teil applaudieren, wenn Sie wollen.« Diese Instruktionen galten auch dann, wenn Zuschauer aufgefordert wurden, die Plätze zu wechseln und in den Nächsten der drei Räume zu gehen, in die die Galerie unterteilt war.
Diese Räume waren ausgestattet mit halbdurchsichtigen Plastikfolien, die mit Verweisen auf Kaprows frühere Werke in Form von Zeichnungen und Collagen bemalt waren, sowie mit Tafelbildern, auf denen einige Wörter hingemalt worden waren, und mit aufgereihten Plastikfrüchten. (...) Im Gegensatz zu Cage, der die Zuschauer zur Beteiligung ermutigte, weil er seine Kontrollfunktion als Urheber aufgeben wollte, wurden die Zuschauer bei den meisten Happenings von Kaprow zu Requisiten, mit Hilfe derer der Künstler seine Vision in die Tat umsetzen konnte.«
.
Allan Kaprow (* 1927) studierte von 1956–1958 musikalische Komposition bei John Cage an der New School for Social Research in New York. 1957–58 beginnt Kaprow seine Arbeit an Environments und der Zuschauerbeteiligung, beinflusst von Cage. Die Integration von Raum, Materialien, Zeit und Zuschauern führt dann schließlich zu der Entwicklung von Happenings, ein Begriff, den er 1959 erfand.
http://www.medienkunstnetz.de/artist/kaprow/







. John Cage (1912 - 1992)
4'33'',
1952
In der Uraufführung am 29. August 1952, in einem Auditorium der Harvard-Universität, zeigte der Pianist David Tudor die drei Sätze durch Schließen und Öffnen des Klavierdeckels an. Laut Partitur ist die Dauer des Stückes frei wählbar, und der Titel soll diesen Wert in Minuten und Sekunden genau angeben. Obwohl also streng genommen der Titel je nach gewählter Dauer variieren kann, hat sich die Bezeichnung 4'33´´ durchgesetzt, der Wert der Uraufführung. Ebenso frei wählbar ist die Zahl der Ausführenden und die Art der (nicht) benutzten Instrumente.




John Cage: »Variations V« 1965
Merce Cunningham Dance Company. Technik: Billy Klüver.

John Cage komponierte »Variations V« im Jahr 1965 für die Merce Cunningham Dance Company. Er und David Tudor einigten sich auf zwei Systeme, bei denen der Ton von der Bewegung beeinflusst werden sollte. Beim ersten entwarfen Billy Klüver und seine Kollegen ein System, das aus genau ausgerichteten fotoelektrischen Zellen bestand, die auf die Bühnenbeleuchtung gerichtet waren. Auf diese Art und Weise lösten die Tänzer immer dann Töne aus, wenn sie mit ihren Bewegungen die Lichtschranken durchbrachen. Ein zweites System verwendete eine ganze Reihe Antennen. Wenn ein Tänzer sich bis auf ca. 1,20m einer Antenne genähert hatte, wurde ein Ton erzeugt. Zehn Fotozellen wurden miteinander verbunden, um Bandaufnahmegeräte und Kurzwellenradios zu aktivieren. Cecil Coker entwarf einen Kontrollkreislauf, der von meinem Assistenten Witt Wittnebert gebaut wurde. Filmsequenzen aus Fernsehbildern, die von Stan VanDerBeek and Nam June Paik manipuliert worden waren, wurden auf Leinwände hinter den Tänzern projiziert. 
Das Skript der Handlung bestand aus 35 »Bemerkungen« zur Struktur, den Komponenten und der Methode, die alle per Münzwurf aus Zufallsparametern generiert worden waren. Der Sound verarbeitete die Signale lokaler Radiosender und änderte sich somit von Ort zu Ort.
Auf diesem Foto wird »Variations V« gerade anlässlich einer Fernsehaufnahme in Hamburg aufgeführt. Die Fotozellen befanden unter den 1,50m hohen Antennen, die auf der Bühne verteilt worden waren. Cage, Tudor und Gordon Mumma bedienten die Geräte, mit denen sie die entstandenen Töne modifizieren und festlegen konnten.

http://www.medienkunstnetz.de/werke/variations-v/

Andy Warhol's Silver Clouds.
1966 installation at the Leo Castelli Gallery in New York
Technische Mitarbeit: Billy Klüver.

Cunningham verwendete mit Warhols Einverständnis dessen Kissen für die Choreographie RainForest vom 9. März 1968



Tinguely, Billy Klüver und Rauschenberg im Garten des Moma, 1960. Der Ingenieur Billy Klüver arbeitete für/mit Tinguely, Warhol, Rauschenberg, Cage ... Gruppe »Experiments in Art and Technology« (E.A.T.)
gegründet u.a. von Rauschenberg und Billy Klüver.


Robert Rauschenberg: »Soundings« 1968
In einem verdunkelten Raum lassen große halb verspiegelte Plexiglasscheiben zunächst nur das eigene Konterfei des Betrachters erkennen. Beginnt er jedoch zu sprechen oder sonstige Geräusche zu produzieren, reagieren die versteckten Mikrofone. Ausgelöst durch den Schall, blitzen hinter den Scheiben Lichter auf. Es erscheint ein Schaufenster, angefüllt mit stehenden und schwebenden Stühlen, die als Siebdruckbilder auf eine zweite, dahinter angeordnete Reihe von Plexiglasscheiben reproduziert sind. Der Sound ist in vier Frequenzbereiche aufgeteilt, so dass Kinder andere Lichter aktivieren, als die Erwachsenen neben ihnen.
Robert Rauschenberg: »Solstice«, 1968
Diese reaktive Installation wurde auf der documenta (1968) gezeigt. Der Besucher geht durch die mit Siebdrucken bearbeiteten Schiebetüren aus Plexiglas, die sich vor ihm öffnen und hinter ihm schliessen. Er befindet sich somit im hell erleuchteten Bildraum, der nun begehbar geworden ist. Zugleich, so betont Rauschenberg, war dies ein Inszenierung vor allem auch für unbeteiligte Zuschauer.