Xcult - Die Ausstellung reiht auf Podesten und Sockeln viele Objekte auf, die sich in einem solchen Ding-Bild-Zwischenstadium befinden. Und wenn man sie auf den ersten Blick nur einfach als Dinge wahrnimmt, als materia prima der Objektwelt gewissermassen, die nur Vor-Bild für eine virtuelle Repräsentanz auf Xcult sein kann, wird ihnen - den Dingen (oder unserem Blick auf sie) - durch ihre Ausstellung die blosse Dinghaftigkeit schnell ausgetrieben. Sie changieren zwischen dem Ding- und dem Bild-Sein. Und dieser interaktive Effekt wird in der Ausstellung durch die einem Desktophintergrund nachgemalte Farbe Strawberry auf Podesten und Sockeln verstärkt.
Die virtuelle Realität von www.xcult.org hat in der Ausstellung analoge Dinge abgesondert. Ihre Abbildung im Netz und ihre nachfolgende Ausstellung im Museum hat sie transformiert. Sie re-repräsentieren ihre eigene Existenz, wenn dieser Begriff überhaupt Sinn macht. Die Dinge verwirren sich mit ihren Abbildern, und die Behauptung einer virtuelle Realität des Internets wird als Scherzfrage entlarvt: Steckt die Virtualität nicht schon in den Dingen und unseren Köpfen, bevor sie - die Dinge und die Köpfe - auf Xcult ihr Unwesen treiben?
geschrieben für Xcult, 11.5.00, publiziert in: Markus Schwander, Werkkatalog, Köln: Revolver Verlag 2004